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Der folgende
kurze Text gibt in einem Überblick meine Sicht auf die Herkunft und Verbreitung
des Familiennamens und seiner Abwandlungen wieder. Dazu sind Links zu weitern
Seiten eingefügt. Vollständigkeit kann nicht gewährleistet werden. Anmerkungen
und Hinweise werden gerne angenommen. Die Landkarte zeigt interaktiv Orte,
Daten und Personen zur Verbreitung des Namens in Ostpreußen. Blau sind
allgemein wichtige Ortschaften zu den Familiennamen markiert. Rot sind Orte im
Zusammenhang mit der Familie Plehwe / von Plehwe gekennzeichnet. Der
Kartenausschnitt entspricht ungefähr dem Gebiet, das heute als nördliches
Ostpreußen bekannt ist.

© Bundesamt für
Kartographie und Geodäsie 2005
http://www.bkg.bund.de
Allgemein
Zum jetzigen
Stand kann festgestellt werden, dass alle in Deutschland lebenden Personen mit
dem Namen Plew, Plewe, Plehwe, von Plehwe, Pleb, Plebe, Plöw, Plöwe, Plef, Pleff,
auch Plob und Plobe sowie wahrscheinlich auch Plep und Plepp den selben
Ursprung haben. Im 17. Jahrhundert ist der Name in Ostpreußen am
Auseinanderfluss von Pregel und Deime (östliches Samland) und im Gebiet um
Medenau im westlichen Samland beheimatet. Im 16. Jahrhundert sind zwei Familien
Pleb im Memelland (Karkelbeck) ansässig gewesen. Bisher konnten keine
eindeutigen Verbindungen zu den Namen Plewa (Schlesien), Pleen und Plehn
(Königsberg und Samland) gefunden werden.
Zu den
einzelnen Namen und Landschaften
Östliches
Samland
Im östlichen
Samland tritt 1572 ein Philip Plewe auf, der das Schulzenamt in der Ortschaft
Grünlinde käuflich erwirbt. Aus den Akten ist zu entnehmen, dass er die
vereinbarte Ratenzahlung nicht einhält. Das Amt darf er trotzdem behalten. In
den nachfolgenden Jahren werden einige Schulzenämter in umliegenden Ortschaften
mit Plewe’s besetzt. Namensänderungen zu Plob(e) und Plow(e) sind hier
nachweisbar. Nach der Pest von 1710/11 sind kaum noch begüterte Plew’s zu
finden. Namenträger wandern über die Deime in das Gebiet um Goldbach,
Heiligenwalde und Cremitten, wo sie ab ca. 1660 - 1700 auftreten. Einzig in
Heiligenwalde bleiben sie bis 1945 weiterhin vermögend. Die ab 1707 in der
Stadt Domnau vorkommenden Plewe (Schneider) stammen ebenfalls aus den
Ortschaften um Grünlinde.
Bis 1945
erreicht diese Gruppe ein Verbreitungsgebiet über das gesamte östliche Samland.
Auch ich führe meine Wurzeln auf diesen Ursprung zurück.
Ein historisches Dokument zu Philip Plewe
Westliches Samland
Die Herkunft
und Verteilung des Namens im westlichen Samland ist weniger gut untersucht. In
der Gemeinde Medenau ist der Name Plewe ab 1694 in der Ortschaft nachzuweisen,
obwohl die Unterlagen ca. 20 Jahre früher beginnen. Es handelt sich hier
ebenfalls um einen Schulzen. Dass es sich hierbei um einen Schulzen oder
Schulzensohn aus dem Gebiet von Grünlinde handelt, ist nicht nachzuweisen, aber
zumindest überlegenswert. Die Nachbargemeinde Wargen zählt seit Beginn der
Kirchenbücher 1691 mehrere Plef und Plöb zu ihren Mitgliedern. Vor dem Beginn
der Kirchenbücher konnte bisher kein Namensträger gefunden werden.
Auf dieser
Seite von Königsberg verbreitet sich der Name überwiegend im südlichen Teil der
samländischen Halbinsel, vornehmlich entlang der Verbindung von Pillau und
Königsberg. Prominentester Vertreter ist ein Ratsverwandter Plew(e) in
Fischhausen.
Königsberg
In den
einzelnen Kirchen der später zu Königsberg vereinigten Stadt sind
Namensvertreter ab ca. 1700 nachzuweisen. Davor gibt es viele Nennungen, die
nicht eindeutig der hier behandelten Namensfamilie zuzurechnen sind (Pleben,
Plein, Plaw, Plan u.a.). Es ist anzunehmen, dass es sich um Zuzügler aus den
umliegenden Landgemeinden handelt. Zu den alten Königsberger Familien zählen
sie nicht. In der Kirche Haberberg und Löbenicht treten ab 1621 bzw. 1594
Pleen’s auf. Die Zahl der Plew-Familien in Königsberg erreicht eine stattliche
Zahl. Allein ca. 40 Plew-Familien sind um 1940 zu verzeichnen. Die Zahl der
Plewe erreicht ein Vielfaches davon.
Dwarischken
und östliches Preußen
Die adelige
Familien von Plehwe, die ab ca. 1710 bis 1945 zu Dwarischken/Löbelshorst am
östlichsten Rand des Deutschen Reiches beheimatet war (Kreis Schirwindt), führt
sich auf Heinrich Plehwe (den älteren) zurück. Dieser wurde zum ersten Mal 1685
als Herr auf Klein Wittgirren erwähnt. Die frühen Schreibweisen des Namens sind
Plew und Plewe. Die Führung des Namenszusatzes „von“ leitet sich aus dem Besitz
des adeligen Gutes Dwarischken her. Seit dieser Zeit wird auch das „h“ in
Plehwe verwendet. Träger des Namens Plew wissen, dass dieser Zusatz im Alltag
wichtig ist, um nicht Pleff genannt zu werden. Interessant ist, dass der Ort
Klein Wittgirren nur ca. 15 km Luftlinie von den Ortschaften um Taplacken
entfernt ist, die um diese Zeit ebenfalls von vermögenden Plewe’s bewohnt sind.
Auch der Vorname Heinrich, der bei Plew(e) sehr selten ist, tritt bei den ersten
beiden Vertretern dieser Linie und bei einem Vertreter des ausgehenden 17.
Jahrhunderts in Grünlinde auf. Die bürgerliche Linie Plehwe, die sich ebenfalls
auf Heinrich Plehwe (den älteren) zurückführen lässt, verbreitet sich rasch
über das gesamte Preußen und stellt vorrangig Pfarrer und hohe preußische
Beamte, während aus dem adeligen Zweig vor allem Militärs hervorgehen. Ein aus
dem adeligen Zweig stammender Vertreter siedelt nach Russland über, wo seine
Nachfahren hohe Ämter bis hin zum Innenminister besetzen.
Eine
Sonderrolle spielt Heinrich Günther Plehwe, der zum näheren Umkreis dieser
Familie gerechnet wird und immer wieder in geographischer Nähe anderer Plehwe’s
auftritt.
Zusammenfassend
lässt sich festhalten, dass diese Gruppe, nach ihrem ersten Auftreten in Klein
Wittgirren, um 1700 in Ortschaften zwischen Insterburg und Angerapp vorkommt
(auch der nicht näher lokalisierbare Ort Drutschen (1697) liegt bei Angerapp),
schnell weiter nach Osten wandert (Schloßberg, Schloßbach) und ab 1710 in Dwarischken
einen festen, zentralen Siedlungsort hat.
Stammbaum
der Familie von Plehwe und Plehwe
Das Gut
Dwarischken damals und heute
Sonderfälle
Plep, Plepp und
ähnliche Namen
Immer wieder
kommt es in den Unterlagen (vor allem Kirchenbüchern) zu unterschiedlichen
Schreibweisen der Familiennamen. Übermäßig häufig werden dabei Plew(e) und Plep(p)
vermischt. Ob sich daraus eine Verwandtschaft ableiten lässt, ist noch unklar,
sie ist aber nicht unwahrscheinlich. Der Name Plep(p) ist dabei der in Preußen
am weitesten zurückverfolgbare Familienname. In den Registern der Türkensteuer
von 1540 ist in Germau ein Plep aufgeführt.
Pleen, Plehn und
ähnliche Namen
Seit
mindestens dem Ende des 16. Jahrhunderts sind Pleen in Königsberg nachweisbar.
Diese sind mit einiger Wahrscheinlichkeit auch der Ursprung des Familiennamens
Plehn, der im Samland gelegentlich auftritt. Bisher konnte keine Verbindung
dieser Namen mit Plew(e) gefunden werden. Der Name Pleen stammt wahrscheinlich
von holländischen Siedlern (ist noch im 18. Jh. in Holland nachzuweisen) oder
leitet sich von der norddeutschen Stadt Plön ab.
Plewa
Der Name
Plewa, der nach jetzigem Kenntnisstand aus Schlesien stammt, konnte noch nicht
mit ostpreußischen Namensvertretern in Verbindung gebracht werden. Über eine
mögliche gemeinsame Herkunft kann nur spekuliert werden.
Pleu
Seit kurzer
Zeit kann über eine Verbindung der Namen Plew und Pleu spekuliert werden. Der
aus zwei Dokumenten aus dem späten 14. Jahrhundert oder frühen 15. Jahrhundert
bekannte Petrus Plew schrieb sich selbst wohl Pleu, wobei zu bemerken ist, dass
die Buchstaben u und v bis ins 18. Jahrhundert hinein allgemein oft vertauscht
werden und somit auch eine nahe Verwandtschaft von u und w vorliegt. Die
Herkunft dieses Religionswissenschaftlers liegt wahrscheinlich in der Region
der heutigen Niederlande und Ostfrankreich.
Weltweite
Verbreitung
Personen, die
heute außerhalb Deutschlands den Namen Plew oder Plewe tragen, stammen
überwiegend von den oben beschriebenen Gruppen ab. Viele Vertreter dieser Namen
finden sich in den klassischen Einwanderungsländern USA, Kanada, Australien und
Neu Seeland. Eine in den englischsprachigen Ländern häufig vorkommende
Abwandlung des Namens Plew ist Plough. Eine neben Deutschland zweite Quelle von
Namensvertretern ist England, wo Plew’s ab der Mitte des 16. Jahrhunderts
vorkommen. Eine Verbindung zu den deutschen Namensträgern ist fraglich.
Bedeutung
und Herkunft des Namens
Seit dem 12.
Jahrhundert gewinnen Familiennamen eine zunehmende Bedeutung bei der
Unterscheidung von Personen. Dies geschah zuerst in den dichter besiedelten
Städten, zunehmend aber auch auf dem Land. Eigene Erfahrungen zeigen, dass im
16. Jahrhundert in ländlichen Gebieten in Deutschland Familiennamen von nur ca.
der Hälfte der Menschen geführt werden und selbst im 17. Jahrhundert „einfache“
Landarbeiter oft nur mit Vornamen benannt werden. So tauchen die frühen
Unterlagen zum Familiennamen Plew in eine Zeit ein, in die auch die Entstehung
vieler Familiennamen selbst fällt.
Eine
schlüssige und abschließende Klärung der Bedeutung des Namens Plew(e) und
ähnlicher Formen liegt im Moment nicht vor.
In der Familie
Plehwe / von Plehwe wird der Namensursprung auf die polnische Übersetzung des
Namens Spreu zurückgeführt. So soll ein Edelmann aus Süddeutschland nach
Preußen gezogen sein, um sich dort unter dem zunehmenden Einfluss Polens
umzubenennen. Dieser Ansatz hat seinen Charme, weil heute noch im
Süddeutschland (um Stuttgart) eine einzigartige Ansammlung von Familien mit dem
Nachnamen Spreu zu finden ist. Inwieweit die Verteilung dieses Familiennamens,
die heute per Telephon-CD leicht zugänglich ist, schon vor über hundert Jahres
zu ermitteln war, ist mir aber nicht bekannt.
In vielen
europäischen Sprachen hat Plew(e) eine Bedeutung. Mindestens in polnischer und
litauischer Sprache bedeutet er dünne Haut (z. B. auf Milch oder um
Getreidekörner), also auch Spreu. Aber auch in Westeuropa gibt es
Übersetzungen, so wird im englischsprachigen Raum Plew und in französischer
Sprache Pleu mit Fell (von Tieren) in Zusammenhang gebracht. Diese
Übereinstimmung ist meiner Meinung nach unübersehbar.
Eine
Möglichkeit der Ableitung des Namens Plew könnte der Kirchort Plibischken sein.
Dieser liegt leicht östlich von Taplacken. Auf einer Karte von 1658 wird der
Ort Plewischken genannt. Ein weiterer in der Nähe liegender Ort hieß bis ins
18. Jahrhundert Plewen, danach Grünwalde.
Eher ein
Zufallsfund ist die in Schottland benutzte Version. Dort ist Plew ein Landmaß.
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